Procopius-Münzschule – Teil 5

Ist sie selten oder wirkt sie nur alt? Was macht eine Münze selten?

„Sie ist sehr alt, also sicher wertvoll” – das ist eines der häufigsten Vorurteile, denen man in der Numismatik begegnet. Dabei sagt das Alter einer Münze für sich genommen noch nichts über ihre Seltenheit oder ihren Marktwert aus. Es gibt zweitausend Jahre alte Münzen, von denen heute noch große Mengen vorhanden sind, während eine kaum hundert Jahre alte Münze einer bestimmten Prägejahrgang oder Variante eine echte Rarität sein kann.

Aber was macht eine Münze selten? Reicht eine geringe Auflage dafür aus? Was bedeuten die in Katalogen aufgeführten Bezeichnungen R, RR und RRR? Und wie kann ein Sammler feststellen, ob er tatsächlich ein besonderes Exemplar in den Händen hält?

Altes muss nicht unbedingt selten sein

Sowohl in der Antike als auch im Mittelalter und in der Neuzeit wurden riesige Mengen an Geld geprägt. Für den täglichen Handel wurden ständig Münzen benötigt, weshalb von bestimmten Münzarten bis zu mehreren Millionen Stück hergestellt wurden.

Wenn von einer solchen Münze viele Exemplare erhalten geblieben sind, sie regelmäßig auf Auktionen auftaucht und die Nachfrage unter Sammlern nicht besonders groß ist, dann stellt die Münze trotz ihres bedeutenden historischen Alters nicht unbedingt einen hohen Wert dar.

Das Gegenteil trifft ebenfalls zu. Eine relativ junge Münze kann selten sein, wenn nur wenige Exemplare davon geprägt wurden, ein Großteil der Auflage später eingezogen oder eingeschmolzen wurde oder möglicherweise nur wenige Exemplare in gutem Zustand erhalten geblieben sind.

Das Alter ist also an sich kein Seltenheitsgrad.

Die Anzahl der Prägungen ist nur der Anfang der Geschichte

Bei der Beurteilung der Seltenheit schauen viele zunächst auf die Prägezahl. Das ist zwar eine wichtige Angabe, kann aber für sich genommen leicht irreführend sein.

Es spielt nämlich eine Rolle, wie viele der ursprünglich geprägten Münzen bis heute erhalten geblieben sind. Selbst eine Münze mit hoher Auflage kann selten geworden sein, wenn ein erheblicher Teil der Exemplare:

  • sie wurden überzogen und eingeschmolzen;
  • die im Zuge von Kriegen oder Finanzkrisen zerstört wurden;
  • sie wurden zur Prägung neuer Münzen verwendet;
  • sie wurden verloren oder vergraben;
  • Durch den starken Verkehr sind sie völlig abgenutzt.

In anderen Fällen kann fast die gesamte Auflage einer Gedenkmünze mit geringer Prägezahl erhalten geblieben sein, weil die Besitzer sie von vornherein beiseitegelegt haben. Solche Exemplare mögen auf dem Papier selten erscheinen, sind auf dem Markt jedoch regelmäßig erhältlich.

Die entscheidende Frage ist daher nicht nur, wie viele Exemplare gedruckt wurden, sondern auch, ob Wie viele Exemplare gibt es heute noch, und wie oft tauchen sie im Handel auf?.

Es gibt verschiedene Arten von Raritäten

Wenn wir eine Münze als selten bezeichnen, sollte man präzisieren, in welchem Sinne sie selten ist.

Seltenheit des Typs: Von allen Varianten dieses Medaillentyps sind nur wenige Exemplare bekannt.

Seltenes Baujahr: Dieser Typ an sich ist häufig, aber einzelne Jahrgänge tauchen nur selten auf.

Seltenheit bei den Grünvögeln: Die gleiche Münze wurde in mehreren Münzstätten geprägt, doch die Exemplare einer dieser Münzstätten sind deutlich seltener.

Seltenheit der Variante: In der Inschrift, der Münzabbildung, dem Wappen, dem Herrscherporträt oder anderen kleinen Details lassen sich Abweichungen feststellen. Diese Unterschiede sind manchmal schon mit bloßem Auge gut zu erkennen, manchmal lassen sie sich erst bei genauer Betrachtung entdecken.

Seltenheit der Haltung: Die Münze ist in abgenutztem Zustand häufig anzutreffen, in hervorragender Qualität jedoch kaum bekannt. Dies ist insbesondere bei Münzen von Bedeutung, die lange Zeit im Umlauf waren.

Eine Münze kann also im Allgemeinen häufig vorkommen, während ein bestimmtes Prägejahr, ein bestimmtes Münzzeichen oder ein besonders guter Erhaltungsgrad als echte Rarität gelten.

Der Erhaltungsgrad kann die Seltenheit beeinflussen

In den vorangegangenen Teilen der Procopius-Münzschule haben wir uns bereits mit der Bedeutung von Qualität und Erhaltungsgrad befasst. Diese sind auch für die Beurteilung der Seltenheit ausschlaggebend.

Es kann vorkommen, dass von einem Typ mehrere tausend Exemplare erhalten geblieben sind, doch fast alle sind stark abgenutzt, beschädigt oder gereinigt. Taucht von dieser Münze ein Exemplar mit originaler Oberfläche und Prägeglanz auf, kann dies eine ganz andere Sammlerkategorie darstellen.

Daher ist es wichtig, zwischen folgenden Punkten zu unterscheiden:

  • seltene Münzart;
  • seltener Jahrgang oder seltene Variante;
  • eine seltene Qualität.

In den Bewertungen von Bewertungsunternehmen nach amerikanischem System stößt man häufig auf die Bezeichnung „Top Pop”. Das bedeutet, dass die Münze unter den von diesem Anbieter bewerteten Exemplaren die höchste Bewertung erhalten hat. Das bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass es weltweit kein schöneres oder qualitativ gleichwertiges Exemplar gibt. Es bezieht sich lediglich auf die Münzen, die in den Unterlagen des jeweiligen Unternehmens erfasst sind.

Was bedeuten die Bezeichnungen R, RR und RRR?

In numismatischen Katalogen wird der Seltenheitsgrad häufig mit Buchstaben gekennzeichnet:

  • R – selten;
  • RR – sehr selten;
  • RRR – äußerst selten.

Einige Publikationen verwenden ein detaillierteres System, andere geben sogar konkrete, bekannte Stückzahlen an. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass diese Bezeichnungen nicht vollständig einheitlich sind. Eine RRR-Einstufung hat nicht in jedem Katalog dieselbe Bedeutung, und die Angaben in älterer Fachliteratur können mit der Zeit veralten.

Neue Exemplare können aus Sammlungen, Nachlässen, archäologischen Funden oder bisher nicht ausgewerteten Beständen auftauchen. Es kann auch vorkommen, dass eine Münze, die bei der Erstellung eines Katalogs als selten galt, später regelmäßig auf dem Markt auftaucht.

Die Seltenheitsangabe sollte daher stets als Anhaltspunkt und nicht als unumstößlicher Beweis betrachtet werden.

Selten, aber wird es überhaupt gesucht?

Seltenheit und Wert sind nicht dasselbe. Eine Münze kann äußerst selten sein, doch wenn sich nur wenige Sammler für das jeweilige Gebiet interessieren, kann ihr Preis moderat bleiben. In anderen Fällen kann es bei einer Auktion zu einem heftigen Bieterwettstreit um einen weniger seltenen, aber äußerst beliebten Typ kommen.

Der Wert wird durch das Zusammenspiel mehrerer Faktoren bestimmt:

  • Seltenheit;
  • Haltestufe;
  • historische Bedeutung;
  • ästhetisches Erscheinungsbild;
  • Originalität und unberührte Oberfläche;
  • Herkunft, d. h. Provenienz;
  • aktuelle Nachfrage seitens der Sammler.

Eines der wichtigsten Gesetze des numismatischen Marktes lautet, dass Nicht die vom Verkäufer vermutete Seltenheit, sondern die tatsächliche Nachfrage informierter Sammler bestimmt den Preis..

Wie lässt sich die Seltenheit einer Münze überprüfen?

Man sollte keine Schlussfolgerungen auf der Grundlage eines einzigen Internet-Treffers oder einer einzigen Verkaufsanzeige ziehen. Für eine zuverlässige Überprüfung müssen mehrere Quellen miteinander verglichen werden.

Sehenswert:

  1. Was steht in den Fachkatalogen zu diesem Bereich?
  2. Wie oft wurde die Münze in den Auktionen der letzten Jahre angeboten?
  3. Handelt es sich um dasselbe Baujahr, dieselbe Karosseriefarbe und dieselbe Ausstattungsvariante?
  4. In welcher Haltungsform kamen andere Exemplare vor?
  5. Sehen wir hier tatsächlich einen Verkaufserlös oder lediglich einen Angebotspreis ohne abgeschlossenen Kauf?

Es ist besonders gefährlich, sich ausschließlich auf Internetanzeigen zu verlassen. Zwar kann jeder eine Münze zu einem beliebigen Preis inserieren, doch beweist dies nicht, dass sich zu diesem Preis auch ein Käufer findet. Um den tatsächlichen Marktwert einzuschätzen, sind die Ergebnisse abgeschlossener Auktionen in der Regel weitaus aussagekräftiger.

Ein kleiner Unterschied kann manchmal viel ausmachen

Zwischen zwei Münzen, die auf den ersten Blick völlig identisch erscheinen, kann ein erheblicher Wertunterschied bestehen. Der Unterschied kann durch eine winzige Prägeunregelmäßigkeit, eine abweichende Schriftart, eine fehlerhafte Jahreszahl, eine andere Wappenabbildung oder eine veränderte Prägeform verursacht werden.

Daher reicht es nicht aus, lediglich den Herrscher, den Nennwert und die Jahreszahl zu identifizieren. Für eine genaue Bestimmung müssen auch beide Seiten der Münze, die Umschrift, das Prägezeichen, der Rand, das Gewicht und die Größe untersucht werden.

Eine echte Rarität ist oft nicht besonders auffällig. Manchmal ist es gerade ein nur wenige Millimeter großes Detail, das die gewöhnliche Variante von einer bedeutenden numismatischen Besonderheit unterscheidet.

Zusammenfassung

Eine Münze ist nicht deshalb selten, weil sie alt oder ungewöhnlich ist oder weil man bei einer schnellen Internetsuche nur wenige Exemplare davon findet. Um die Seltenheit zu bestimmen, muss man die Ausgabedaten, die Anzahl der erhaltenen Exemplare, die verschiedenen Varianten, die Häufigkeit je nach Erhaltungsgrad und die Häufigkeit des Auftretens auf dem Markt kennen.

Die wichtigste Regel:

Die Prägezahl ist eine Angabe. Die Seltenheit hingegen ist ein Forschungsergebnis.

Wenn sich die Seltenheit einer Münze nicht eindeutig feststellen lässt, lohnt es sich, einen Fachkatalog zu Rate zu ziehen oder einen erfahrenen Numismatiker zu konsultieren. Ein scheinbar unbedeutendes Detail kann manchmal tatsächlich einen erheblichen Wert bergen – allerdings nur, wenn man genau weiß, wonach man suchen muss.