Die Bedeutung der Qualität
Unterhaltssätze in Europa und den USA
Zwischen zwei Münzen desselben Typs, desselben Jahrgangs und derselben Prägezeichen kann es sogar zu einem mehrfachen oder um eine Größenordnung höheren Preisunterschied kommen. Der Unterschied ist oft nicht auf die Seltenheit, sondern auf den Erhaltungszustand zurückzuführen. Wer lernt, echte Qualität zu erkennen, baut nicht nur eine schönere Sammlung auf, sondern vermeidet auch einen Großteil der teuersten Anfängerfehler.
Einer der wichtigsten Ratschläge aus dem vorherigen Teil lautete, dass Qualität in der Regel wichtiger ist als Quantität. Auf den ersten Blick scheint dies eine einfache Regel zu sein, doch in der Praxis ist die Zustandsbeurteilung einer der komplexesten Bereiche der Numismatik. Es reicht nicht aus, lediglich festzustellen, ob eine Münze abgenutzt ist. Man muss auf die Prägequalität, Oberflächenbeschädigungen, den Prägeglanz, die Patina, die Zentrierung, Spuren der Reinigung sowie darauf achten, in welcher Qualität der jeweilige Münztyp ursprünglich hergestellt wurde.
In diesem Abschnitt stellen wir die in Europa gebräuchlichen Textbewertungsskalen sowie das amerikanische 1-70-Punkte-System vor und erläutern, warum sich die beiden Skalen nicht einfach mithilfe einer einzigen Umrechnungstabelle miteinander in Einklang bringen lassen.
1. Warum ist der Zustand so wichtig?
Der Sammlerwert einer Münze ergibt sich aus dem Zusammenspiel mehrerer Faktoren: Seltenheit, Nachfrage, historische Bedeutung, Echtheit, Metall, Herkunft und Erhaltungsgrad. Der Erhaltungsgrad ist besonders wichtig, da er innerhalb desselben Typs den Unterschied zwischen gewöhnlichen, schönen und herausragenden Exemplaren ausmacht.
Der Preisunterschied ist zudem nicht linear. Eine sehr schöne Münze ist nicht unbedingt nur zwanzig Prozent wertvoller als ein schönes Exemplar. Bei bestimmten Serien kann der Preis der besten bekannten Exemplare ein Vielfaches des Preises von Exemplaren in mittlerem Erhaltungszustand betragen. Dies bezeichnen wir als Erhaltungsseltenheit: Der Typ selbst mag häufig sein, in hervorragendem Erhaltungszustand ist er jedoch äußerst selten.
PROCOPIUS-TIPP
Vergleichen Sie stets Münzen desselben Typs, desselben Prägejahres und desselben Prägeortes. Die Seltenheit eines anderen Prägejahres oder Prägeortes kann völlig unterschiedlich sein, weshalb sich aus dem Preisunterschied allein kein Unterschied im Erhaltungsgrad ableiten lässt.
2. Qualität ist mehr als nur Abnutzung
Ein Anfänger achtet oft nur darauf, wie viele Details auf der Münze noch zu erkennen sind. Das ist zwar grundlegend, doch die Qualität setzt sich aus mehr Faktoren zusammen. Das geübte Auge betrachtet mindestens fünf verschiedene Aspekte.
- Verschleiß: Die höchsten Erhebungen der im Umlauf befindlichen Münzen beginnen als Erstes, sich abzuflachen. Bei Porträts können dies die Haare, der Schnurrbart, das Gesicht oder ein Teil der Krone sein; bei Wappen die Krone, das Wappenschild oder die hervorstehenden Details der Tierfigur.
- Grünes Licht: Auf der Oberfläche einer frisch geprägten Münze kann die Bewegung des Metalls einen charakteristischen, kreisförmigen Lichteffekt erzeugen. Das Vorhandensein des natürlichen Verde-Glanzes ist ein wichtiges Merkmal, ist jedoch nicht mit dem Glitzern gleichzusetzen: Eine polierte oder chemisch gereinigte Münze kann zwar glitzern, weist jedoch keinen Verde-Glanz auf.
- Oberflächenspuren: Beulen, Kratzer, Haarrisse, Randfehler und Lagerungsspuren können den Gesamteindruck beeinträchtigen, selbst wenn die Münze nie im Umlauf war. Deshalb kann eine Münze abnutzungsfrei sein und dennoch nur die Bewertung MS60 oder MS61 erhalten.
- Schlagqualität: Ein schwacher Prägeabdruck, ein abgenutzter Prägezahn, ein fehlerhaftes Prägewalzenblatt oder eine schlechte Zentrierung stellen keinen Gebrauchsverschleiß dar. Insbesondere bei handgeprägten Münzen aus dem Mittelalter und der Frühen Neuzeit muss zwischen ursprünglichen Prägefehlern und späteren Beschädigungen unterschieden werden.
- Ein echter Augenschmaus: Das Zusammenspiel von Patina, Farbe, Glanz, Zentrierung und Oberfläche beeinflusst, wie attraktiv ein Exemplar ist. Aus diesem Grund kann es zwischen zwei Münzen mit identischer numerischer Bewertung erhebliche Preisunterschiede geben.
HÄUFIGER FEHLER
Eine glänzende Münze muss nicht unbedingt ein Prägeglanz aufweisen. Durch die Reinigung kann die ursprüngliche Oberfläche entfernt werden, es können parallele Haarrisse zurückbleiben, und der Sammlerwert kann dauerhaft gemindert werden.
3. Das europäische System: ein in Worte gefasster Zustand
In Europa werden traditionell textuelle, sogenannte beschreibende Erhaltungsgrade verwendet. In ungarischen Auktionsbeschreibungen begegnen uns häufig die Begriffe „schwach“, „mittel“, „schön“, „sehr schön“, „ausgezeichnet“ und „glänzend“. In internationalen Katalogen können die entsprechenden Begriffe auf Englisch, Deutsch, Französisch oder Italienisch erscheinen.
Die größte Schwierigkeit besteht darin, dass es keinen einheitlichen europäischen Standard gibt, der in allen Ländern und bei allen Auktionshäusern völlig identisch ist. Die Bezeichnungen ‘nagyon szép’, das deutsche ‘sehr schön’, das französische ‘très beau’ und das englische ‘Very Fine’ können zwar einen ähnlichen Bereich bezeichnen, doch die konkrete Verwendung kann variieren. Manche Händler stufen strenger ein, andere großzügiger, und auch die Besonderheiten des jeweiligen Münztyps beeinflussen die Auslegung.
Schwach / Poor / Fair: Die Münze ist stark abgenutzt, aber der Typ ist noch erkennbar. Bei seltenen Exemplaren ist sie ein Sammlerstück, bei häufigen Typen meist wenig gefragt.
Gut oder mittelmäßig / Good / Very Good: Die Hauptmotive und ein Großteil der Inschrift sind erkennbar, die feinen Details sind jedoch größtenteils abgenutzt.
Schön / Fine: Es sind gleichmäßige Gebrauchsspuren zu erkennen, doch die wichtigsten Details sind deutlich zu erkennen. Die Aufschrift und das Datum sind im Allgemeinen gut lesbar.
Sehr gut / Very Fine: Leichte Abnutzung, viele feine Details sind erhalten geblieben. Die erhabenen Stellen sind abgenutzt, doch das Gesamtbild der Münze ist klar erkennbar.
Hervorragend / Extremely Fine: Nur an den höchsten Stellen sind leichte Abnutzungsspuren zu erkennen. Der Großteil der Details ist erhalten geblieben, stellenweise sind auch noch Spuren des Verde-Glanzes zu sehen.
Nahezu neuwertig / About Uncirculated: Der Verschleiß ist sehr gering und meist nur an den höchsten Stellen erkennbar. Ein Großteil des Grüns bleibt erhalten.
Glänzend / Uncirculated / Mint State: Es weist keine Gebrauchsspuren auf. Dennoch kann es Kratzer, Spuren durch Transport oder Lagerung, leichte Schläge und andere oberflächliche Mängel aufweisen.
MIT DEM BLICK EINES EXPERTEN
Der Glanzgrad muss stets für den jeweiligen Typus gemessen werden. Die Oberflächen eines handgeprägten Denars aus der Árpád-Zeit, eines transsilvanischen Talers und einer modernen Proof-Gedenkmünze lassen sich nicht nach denselben Kriterien mechanisch miteinander vergleichen.
4. Die amerikanische Skala von 1 bis 70 Punkten
In den Vereinigten Staaten hat sich die Sheldon-Skala durchgesetzt. William H. Sheldon entwickelte das System mit Werten von 1 bis 70 ursprünglich im Jahr 1948 zur Bewertung früher amerikanischer Cent-Münzen. Die Zahlenskala wurde später auch auf andere Münzen ausgeweitet und ab den 1980er Jahren von unabhängigen Bewertungsunternehmen – allen voran PCGS und NGC – international bekannt gemacht.
Die Skala umfasst nicht siebzig gleichmäßig verteilte Stufen. Unterhalb von 60 fehlen mehrere Zahlen. Im Umlauf befindliche Münzen erhalten Werte zwischen 1 und 58, während normale Prägungen ohne Umlaufabnutzung im Bereich MS60–MS70 bewertet werden. MS ist die Abkürzung für „Mint State“. Bei Proof-Prägungen kann je nach Anbieter das Präfix PR oder PF erscheinen; dies bezeichnet die Prägeart und bedeutet nicht, dass die Münze automatisch makellos ist.
- PO1-FR2: extrem stark abgenutztes, aber identifizierbares Stück.
- AG3-G6: stark abgenutzt, die Umrisse der Hauptmotive und die grundlegenden Angaben sind noch erkennbar.
- VG8–VG10: Erheblicher Verschleiß, aber die Hauptelemente sind bereits besser voneinander zu unterscheiden.
- F12–F15: mäßiger, gleichmäßiger Verschleiß; die wichtigsten Details sind deutlich erkennbar.
- VF20–VF35: mäßiger Verschleiß; zahlreiche feine Details sind noch erhalten.
- XF40–XF45: leichte Abnutzungsspuren an den erhöhten Stellen; die meisten Originaldetails sind noch vorhanden.
- AU50–AU58: sehr geringer Verschleiß; die AU58 wirkt oft fast wie neu.
- MS60–MS70: keine Gebrauchsspuren; die Einstufung erfolgt anhand der Spuren, des Glanzes, der Schlagspuren und des Gesamteindrucks.
Im Bereich über 60 ist nicht mehr der Abnutzungsgrad entscheidend, da theoretisch keine der Münzen im Umlauf war. Eine MS60 kann stark gepresst, schlecht geprägt oder weniger ansprechend sein, während eine MS65 bereits auffallend schön und eine MS67 außergewöhnlich ist. Der Grad 70 steht für makellos erhaltene Spitzenqualität; gemäß der Definition der NGC dürfen solche Exemplare selbst bei fünffacher Vergrößerung keine Herstellungsfehler aufweisen.
WICHTIGER UNTERSCHIED
Die Grenze zwischen AU58 und MS60 ist kein einfacher Schönheitswettbewerb. Eine AU58-Münze mag optisch ansprechender sein als eine mit Spuren übersäte MS60-Münze, doch bei der ersteren weist minimale Gebrauchsspuren auf, bei der letzteren hingegen keine.
5. Europa und die USA: nur eine ungefähre Entsprechung
Die folgende Tabelle dient als Orientierungshilfe und stellt keinen offiziellen Umrechnungskurs dar. Die Verwendung der europäischen Bezeichnungen kann je nach Land, Auktionshaus und Münztyp variieren. Für eine endgültige Beurteilung muss immer die Münze selbst untersucht werden, möglichst anhand eines hochauflösenden Fotos oder vor Ort.
| Internationale Beschreibung | Gängige ungarische Bezeichnung | US-Bundesstaat | Allgemeiner Überblick |
| Schlecht / Befriedigend | stark abgenutzt | PO1-FR2 | Erkennbar, wenige Details |
| Gut | schwach bis mäßig | AG3-G6 | Grundzüge, starker Verschleiß |
| Sehr gut | mittel bis gut | VG8–VG10 | Die Hauptelemente sind voneinander getrennt |
| Gut | schön | F12–F15 | Gleichmäßiger Verschleiß, gut lesbare Details |
| Sehr gut | sehr schön | VF20–VF35 | Leichter Verschleiß, viele Details |
| Sehr gut | hervorragend | XF40–XF45 | Leichte Abnutzung an den höchsten Stellen |
| Fast neuwertig | fast grünlich-hell | AU50–AU58 | Minimale Abnutzung, viel ursprünglicher Glanz |
| Uncirculated / Mint State | grünlich | MS60–MS70 | Es gibt keine Abnutzungserscheinungen durch den Betrieb |
Anmerkung: Die Angaben in der Tabelle sind nur Richtwerte. Die Verwendung von FDC, Stempelglanz, BU und anderen Handelsbezeichnungen ist sehr unterschiedlich, weshalb diese nicht automatisch auf eine bestimmte US-amerikanische Nummer übertragen werden sollten.
6. Was bedeutet „Verdefény“ eigentlich?
Im Ungarischen kann der Begriff „verdefényes“ sowohl auf das Fehlen von Umlaufabnutzung als auch auf das Vorhandensein des ursprünglichen Verde-Glanzes hinweisen. Beides ist jedoch nicht immer dasselbe. Eine Münze kann im Umlauf nicht gewesen sein und dennoch matt, fleckig oder mit vielen Lagerungsspuren behaftet sein. In anderen Fällen kann ein leicht abgenutztes, aber viel ursprünglichen Glanz bewahrendes Exemplar der Güteklasse AU58 auffälliger sein.
Der „Verde“-Glanz entsteht durch die Lichtreflexion der mikroskopisch kleinen Metallströmungslinien, die beim Prägen entstehen. Beim Kippen lässt sich häufig ein kreisförmiger, sogenannter „Cartwheel“-Effekt beobachten. Durch die Reinigung kann diese feine Struktur beschädigt oder entfernt werden. Daher lässt sich der Zustand der Münze nicht zuverlässig anhand eines einzigen, von vorne aufgenommenen Fotos beurteilen.
7. Reinigung, Beschädigungen und die „Details“-Bewertung
Die amerikanischen Bewertungsunternehmen vergeben nicht für jede Originalmünze eine numerische Erhaltungsgrad-Bewertung. Wenn die Oberfläche durch starke Reinigung, Kratzer, Korrosion, Einstiche, Reparaturen oder andere erhebliche Mängel beeinträchtigt ist, kann die Münze eine sogenannte „Details“-Bewertung erhalten. In diesem Fall gibt das Etikett den ungefähren Abnutzungsgrad und das Problem an, doch das Exemplar wird nicht in die normale Bewertungsskala von 1 bis 70 eingestuft.
In Europa ist es üblich, dass das Auktionshaus einen Erhaltungsgrad angibt und anschließend den Mangel gesondert beschreibt: zum Beispiel ‘sehr schön, gereinigt’ oder ‘ausgezeichnet, Randmangel’. Das ist kein Widerspruch. Der Erhaltungsgrad gibt den Grad der Abnutzung und den Erhaltungszustand der verbleibenden Details an, während die Anmerkung auf das Oberflächenproblem hinweist. Aus marktwirtschaftlicher Sicht darf der Makel jedoch nicht außer Acht gelassen werden: Ein gereinigtes oder restauriertes Exemplar ist in der Regel deutlich weniger gefragt als ein Exemplar mit identischem Abnutzungsgrad, das jedoch seine ursprüngliche Oberfläche bewahrt hat.
HÄUFIGER FEHLER
Versuchen Sie niemals, die Münze zu Hause ‘schöner zu machen’. Durch Reiben, Polieren oder die Behandlung mit Säure oder starken Chemikalien können innerhalb weniger Minuten irreversible Schäden entstehen.
8. Warum sind das Gehäuse und die Nummer nicht unfehlbar?
Ein wichtiger Vorteil der unabhängigen Bewertung besteht darin, dass sie die Echtheit überprüft, dem Markt eine einheitlichere Sprache verleiht und die Informationsasymmetrie zwischen Käufer und Verkäufer verringert. Die Nummer auf der Hülle und dem Etikett ersetzt jedoch nicht die Münze selbst. Die Bewertung ist eine fachliche Einschätzung und keine naturgesetzliche Konstante. In Grenzfällen kann dasselbe Exemplar zu unterschiedlichen Zeitpunkten oder bei unterschiedlichen Expertengruppen ein um eine Stufe abweichendes Ergebnis erhalten.
Selbst innerhalb derselben Qualitätsstufe gibt es schwächere und stärkere Exemplare. Farbe, Patina, Flecken, Zentrierung und Prägeschärfe können zu erheblichen Unterschieden führen. Die Bezeichnung ‘Top Pop’ oder ‘finest known’ kann einen erheblichen Marktpreisaufschlag begründen, doch muss stets überprüft werden, wie viele Exemplare dieses Typs eingestuft wurden und ob es sich tatsächlich um dieselbe Variante, dasselbe Prägezeichen oder denselben Jahrgang handelt.
PROCOPIUS-TIPP
Schauen Sie sich zuerst die Münze an, dann das Etikett. Stellen Sie sich die Frage: Würde ich genau dieses Exemplar auch ohne Etui und ohne Kenntnis der darauf angegebenen Nummer kaufen?
9. Sonderfälle: handgeprägte und historische Münzen
Bei der Bewertung mittelalterlicher ungarischer Goldforinten, Dénare, transsilvanischer Taler und anderer handgeprägter Münzen lässt sich die für moderne maschinell geprägte Münzen entwickelte Logik nur mit Vorsicht anwenden. Häufig treten bei diesen Münzen unebene Prägungsflächen, fehlende Ränder, Doppelprägungen, eine schlechte Zentrierung, eine teilweise fehlende Umrandungsinschrift oder Abnutzungsspuren am Prägewerkzeug auf. Solche Erscheinungen können durchaus zeitgenössisch sein und auf den Prägevorgang zurückzuführen sein; sie bedeuten also nicht zwangsläufig eine spätere Beschädigung oder Abnutzung im Umlauf.
Bei einem Matthias-Goldforint können beispielsweise neben den Details des Porträts und des Wappens insbesondere die Vollständigkeit der Umrandungsinschrift, die Regelmäßigkeit der Münzscheibe, die Zentrierung und der Zustand des Prägezustands von Bedeutung sein. Bei einem transsilvanischen Taler sind die Originalität der Oberfläche, der Durchmesser, der Rand sowie die Prägebrüche ebenfalls von Bedeutung. Bei solchen Stücken ist die amerikanische numerische Einstufung ein nützlicher Anhaltspunkt, erfasst jedoch nicht alle für europäische Sammler wichtigen Qualitätsmerkmale.
Bei antiken Münzen ist dieser Unterschied noch deutlicher. Der Stil, die Zentrierung, die Münzplatte, der Zustand der Oberfläche und die Schärfe der Prägung sind oft mindestens genauso wichtig wie der herkömmliche Abnutzungsgrad. Daher müssen historische Münzen stets vor dem Hintergrund ihrer jeweiligen Epoche und ihrer Herstellungstechnik bewertet werden.
10. Die häufigsten Anfängerfehler
- Die Aufschrift „UNC“ gilt als Bargeld: Die vom Verkäufer verwendeten Begriffe ‘UNC’ oder ‘grünlich glänzend’ stellen für sich genommen keine Garantie dar. Achten Sie auch auf die hohen Erhebungen, den Glanz und die Oberfläche.
- Die Verwechslung von „proof“ mit „fehlerfrei“: „Proof“ ist eine besondere Prägeverfahren. Eine Proof-Münze kann Kratzer, Flecken oder Abnutzungsspuren aufweisen und erhält innerhalb ihrer jeweiligen Kategorie dennoch denselben Erhaltungsgrad.
- Das Unterlassen der Reinigung: Eine detailreiche, aber grob gereinigte Münze ist oft weniger wertvoll und schwerer zu verkaufen als ein leicht abgenutztes Exemplar mit natürlicher Oberfläche.
- Nur ein Vergleich der Zahlen: Die optische Qualität einer MS64-Münze und einer anderen MS64-Münze kann unterschiedlich sein. Der Typ, die Prägung und die Oberfläche sind immer wichtiger als die Bewertung an sich.
- Übermäßige Gewissheit aufgrund eines Fotos: Die Beleuchtung kann Haarrisse kaschieren, die Patina betonen oder einen künstlichen Glanz erzeugen. Bei teuren Stücken sollten Sie ein Video mit verschiedenen Beleuchtungswinkeln, weitere Fotos oder eine persönliche Besichtigung anfordern.
- Mechanischer Vergleich verschiedener Typen: Die gleiche Nummer bedeutet nicht unbedingt, dass es sich um dasselbe Exemplar oder denselben Seltenheitsgrad handelt. Eine schlecht geprägte mittelalterliche Münze und eine moderne maschinell geprägte Münze sind nach unterschiedlichen Maßstäben zu bewerten.
11. 60-Sekunden-Zustandsprüfung vor dem Kauf
Bevor Sie mitbieten oder etwas kaufen, halten Sie einen Moment inne und gehen Sie die folgenden Fragen durch. Diese einfache Vorgehensweise kann Sie vor vielen Fehlentscheidungen bewahren.
- Gibt es an den höchsten Stellen Abnutzungserscheinungen durch den Verkehr?
- Wirkten die Oberfläche und die Patina natürlich?
- Sind parallele Haarrisse oder Spuren von Polierarbeiten zu erkennen?
- Wie sieht das Licht in Verde aus, und bewegt es sich beim Schwingen im Kreis?
- Ist die fehlende Stelle auf Abnutzung oder eine zu schwache Prägung zurückzuführen?
- Gibt es Randschäden, Beulen, Kratzer, Korrosion, Reparaturstellen oder Löcher?
- Ist die Prägung zentriert, ist der Randschriftvollständig, ist die Münzplatte in Ordnung?
- Gibt es tatsächlich ein vergleichbares Auktionsobjekt desselben Typs und Zustands?
- Gefällt Ihnen die Medaille selbst, oder ist es nur der auf dem Etikett angegebene Grad, der Sie anspricht?
Zusammenfassung
Der Erhaltungsgrad ist nicht nur eine einfache Angabe hinter dem Namen der Münze, sondern einer der wichtigsten Bestandteile ihres numismatischen Werts. Das europäische System beschreibt den Erhaltungszustand mit leicht verständlichen Begriffen, während die amerikanische Skala von 1 bis 70 feinere Abstufungen und eine einheitlichere Marktsprache bietet. Keines der beiden Systeme kommt jedoch ohne fachliche Beurteilung aus, und keines ersetzt die gründliche Untersuchung des Objekts.
Ein guter Sammler fragt nicht nur, ob die Münze selten ist, sondern auch: Ist ihre Oberfläche original, wie viele Details sind erhalten geblieben, wie ist die Prägung, sind Glanz und Patina natürlich, ob versteckte Mängel vorhanden sind und wie sich das Exemplar im Vergleich zu den wirklich schönen Exemplaren dieses Typs darstellt. Wenn Sie sich diese Sichtweise zu eigen machen, werden Sie weniger, aber dafür bessere Münzen kaufen – und Ihre Sammlung wird langfristig einheitlicher, wertbeständiger und auch fachlich fundierter sein.
LASS UNS REDEN!
Was finden Sie übersichtlicher: die europäischen Textbewertungsstufen oder die amerikanische Skala von 1 bis 70 Punkten? Schreiben Sie es in die Kommentare!